Produktentwicklung · rsk.files

Warum ich mir meinen Dateimanager selbst gebaut habe

Commander-Dateimanager sind die besten. Warum daraus mit rsk.files ein digitales Schweizer Taschenmesser wurde – leistungsfähig, schnell und trotzdem erstaunlich unaufgeregt.

rsk.files mit zwei unabhängigen Dateibereichen unter Windows

Ich sage es am besten gleich: Commander-Dateimanager sind die besten.

Das ist selbstverständlich eine vollkommen objektive Feststellung. Sie hat nur zufällig den kleinen Schönheitsfehler, dass sie exakt meiner persönlichen Meinung entspricht.

Wer einmal mit zwei Dateibereichen gearbeitet hat, versteht schnell, warum. Links die Quelle, rechts das Ziel. Oder umgekehrt. Man sieht, woher etwas kommt und wohin es soll. Kopieren und Verschieben fühlen sich nicht wie ein Sprung ins Ungewisse an, sondern wie ein kontrollierter Handgriff. Zwei Seiten, ein klarer Gedanke.

Seit vielen Jahren wollte ich einen solchen Dateimanager selbst bauen. Nicht bloß einen Explorer mit einem zweiten Fenster daneben. Sondern das Werkzeug, das ich mir für meine tägliche Arbeit wünsche: schnell wie ein gutes Spezialwerkzeug, vielseitig wie ein Schweizer Taschenmesser und so verständlich, dass man nicht erst ein Wochenende mit dem Handbuch verbringen muss.

Jetzt ist daraus rsk.files geworden.

Die Idee, die immer wieder auf den Tisch kam

Manche Softwareideen sind laut. Sie drängen sich auf, verlangen sofort nach einem Namen und möchten am liebsten noch am selben Abend veröffentlicht werden.

rsk.files war anders. Die Idee lag lange ruhig in einer Schublade und meldete sich immer dann, wenn Dateiarbeit unnötig umständlich wurde. Beim Kopieren zwischen zwei tief verschachtelten Ordnern. Beim Wechsel zwischen Netzlaufwerk, SFTP-Server und Cloud. Beim Vergleichen zweier Verzeichnisse. Oder in dem Moment, in dem auf dem Bildschirm plötzlich fünf Explorer-Fenster geöffnet waren und keines mehr wusste, warum es eigentlich da war.

Dann dachte ich jedes Mal: Irgendwann baue ich mir das richtig.

Das Problem an „richtig“ war allerdings, dass ein Dateimanager an einer der empfindlichsten Stellen eines Computers arbeitet. Er darf nicht nur gut aussehen. Er muss zuverlässig kopieren, Konflikte verständlich erklären, lange Vorgänge kontrollierbar machen und im entscheidenden Moment genau wissen, welche Seite Quelle und welche Ziel ist. Ein kleiner Fehler ist hier keine kosmetische Unsauberkeit. Er kann bedeuten, dass Dateien am falschen Ort landen – oder gar nicht mehr da sind.

Die Idee durfte deshalb lange reifen. Und irgendwann war aus „Das müsste man mal machen“ ein klares Produktbild geworden.

Warum zwei Panes so viel verändern

Das Commander-Prinzip ist älter als viele moderne Bedienkonzepte. Gerade deshalb ist es so gut. Es versucht nicht, jede Aufgabe hinter einer neuen Animation zu verstecken. Es zeigt die Arbeit, wie sie ist: Hier liegt etwas. Dort soll es hin.

In rsk.files sind beide Panes vollständig unabhängig. Jeder Bereich besitzt eigene Tabs, Pfade, Ansichten und Filter. Links kann ein lokaler Projektordner geöffnet sein, rechts ein SFTP-Server. Im nächsten Tab wartet ein Archiv, daneben Dropbox, OneDrive oder Google Drive. Quelle und Ziel bleiben sichtbar, selbst wenn der Weg dazwischen technisch ziemlich weit ist.

Das spart nicht nur Klicks. Es entlastet den Kopf. Gute Werkzeuge halten den Arbeitskontext fest, damit der Mensch ihn nicht ständig neu zusammensetzen muss.

Gespeicherte Arbeitsbereiche führen diesen Gedanken weiter. Panes, Tabs, Ordner und Ansichten lassen sich gemeinsam sichern und später wieder öffnen. Ein wiederkehrender Ablauf beginnt dann nicht mehr mit zehn Minuten Vorbereitung, sondern mit dem passenden Arbeitsplatz.

Das Schweizer Taschenmesser und die Sache mit der Hosentasche

Ich wollte immer einen Dateimanager bauen, der sehr viel kann. Das klingt erst einmal attraktiv. Es ist aber auch der direkte Weg zu einer Oberfläche, die beim Start sämtliche Schubladen aufreißt und dem Nutzer 73 Knöpfe entgegenwirft.

Ein Schweizer Taschenmesser ist nicht deshalb praktisch, weil alle Werkzeuge gleichzeitig ausgeklappt sind. Es ist praktisch, weil das richtige Werkzeug da ist, wenn man es braucht – und bis dahin nicht im Weg liegt.

Genau das wurde zu einem der wichtigsten Gestaltungsprinzipien von rsk.files. Die alltäglichen Aufgaben bleiben nah: navigieren, auswählen, kopieren, verschieben, umbenennen, löschen. Die leistungsfähigeren Werkzeuge sind vorhanden, drängen sich aber nicht permanent in den Vordergrund.

Wer sie braucht, kann Dateien und Ordner vergleichen, Verzeichnisse synchronisieren, Duplikate finden, Archive wie Ordner öffnen, Prüfsummen erzeugen oder Inhalte über viele Dateien hinweg suchen und ersetzen. Es gibt Vorschauen für Bilder, Texte, PDFs und Office-Dokumente, einen internen Editor, eine Befehlspalette und frei anpassbare Tastenkürzel.

Das ist eine Menge. Die Kunst bestand nicht darin, noch eine Funktion hinzuzufügen. Die Kunst bestand darin, jede Funktion an den Ort zu setzen, an dem sie selbstverständlich wirkt.

Ein Dateimanager endet heute nicht mehr an Laufwerk C

Dateien leben längst nicht mehr nur auf lokalen Festplatten. Sie liegen auf Netzlaufwerken, in Archiven, auf Servern und in verschiedenen Clouds. Trotzdem bringt fast jeder dieser Speicherorte seine eigene Oberfläche, seine eigene Navigation und seine eigenen kleinen Gewohnheiten mit.

rsk.files behandelt sie als unterschiedliche Zugänge zu derselben Aufgabe. Lokale Ordner, UNC-Pfade, FTP, FTPS, SFTP, Dropbox, OneDrive und Google Drive lassen sich in beiden Panes öffnen. Dateien können lokal beginnen und in der Cloud enden. Oder vom Remote-Server direkt in einen anderen Speicher wandern.

Unter der Oberfläche sind diese Welten alles andere als gleich. Ein lokales Verschieben funktioniert technisch anders als ein Transfer zwischen SFTP und OneDrive. Für die Bedienung sollte dieser Unterschied aber nur dort sichtbar werden, wo er wirklich wichtig ist.

Das war eine der spannendsten Entwicklungsaufgaben: Verschiedene Provider in einen gemeinsamen, verlässlichen Arbeitsablauf zu übersetzen, ohne ihre Besonderheiten zu verschweigen. Die Technik darf komplex sein. Die Bedienung muss es nicht automatisch auch sein.

Leistung ist gut. Kontrolle ist besser.

Je mehr ein Werkzeug kann, desto wichtiger wird die Frage, wie sicher es sich anfühlt.

Deshalb zeigt rsk.files geplante Änderungen, bevor sie weitreichend werden. Konflikte lassen sich bewusst lösen. Synchronisationsabläufe besitzen einen prüfbaren Plan. Kopier-, Verschiebe-, Upload- und Downloadvorgänge landen in einer zentralen Warteschlange, können pausiert, umsortiert oder abgebrochen werden und blockieren nicht die gesamte Oberfläche.

Das klingt weniger spektakulär als eine möglichst lange Funktionsliste. Für mich ist es aber der entscheidende Teil. Effizienz bedeutet nicht, dass Software möglichst schnell möglichst viel tut. Effizienz bedeutet, dass sie das Richtige tut, der Weg dorthin verständlich bleibt und sich ein Fehler noch stoppen lässt.

Gerade bei Dateien ist Vertrauen keine Zusatzfunktion.

Einfach bedienen heißt nicht wenig können

Es gibt diesen hartnäckigen Gegensatz: Entweder eine Anwendung ist einfach, dann kann sie nur wenig. Oder sie ist leistungsfähig, dann müsse man sich eben durch komplizierte Dialoge kämpfen.

Ich glaube nicht daran.

Ein gutes Werkzeug kann Einsteiger freundlich empfangen und erfahrenen Nutzern trotzdem Tiefe bieten. Wer Dateien nur von links nach rechts kopieren möchte, soll genau das tun können. Wer mit Tastaturkürzeln, gespeicherten Suchen, Synchronisationsprofilen und mehreren Providern arbeitet, soll nicht künstlich gebremst werden.

Einfachheit entsteht nicht dadurch, Funktionen wegzulassen. Sie entsteht durch klare Begriffe, gute Voreinstellungen, nachvollziehbare Zustände und eine Oberfläche, die Prioritäten kennt. Das ist deutlich mehr Arbeit als ein „Erweitert“-Dialog mit zwanzig Kontrollkästchen. Es ist aber auch die Art von Arbeit, die mir besonders viel Freude macht.

Und plötzlich war es kein Wunschprojekt mehr

Irgendwann kam der Moment, an dem rsk.files nicht mehr die Anwendung war, die ich eines Tages bauen wollte. Sie war die Anwendung, mit der ich tatsächlich arbeitete.

Ich öffnete Projekte darin, verglich Ordner, verschob Dateien zwischen Speicherorten und bemerkte, dass ich den Explorer immer seltener brauchte. Aus der alten Idee war ein echtes Werkzeug geworden. Eines, das nicht nur eine Lücke im Produktportfolio schließt, sondern meinen eigenen Arbeitsalltag verändert hat.

Natürlich ist ein Dateimanager nie wirklich fertig. Dafür gibt es zu viele Dateitypen, Speicherorte, Arbeitsweisen und überraschende Sonderfälle. Aber er kann an einem Punkt ankommen, an dem er bereit ist, nicht mehr nur dem Entwickler zu gehören.

Dieser Punkt ist jetzt erreicht.

rsk.files ist veröffentlicht. Mein Commander, mein Schweizer Taschenmesser und vermutlich das einzige Taschenmesser, bei dem eine zentrale Vorgangswarteschlange wirklich sinnvoll ist.

Du kannst rsk.files auf ruesken.net kennenlernen und sieben Tage vollständig testen. Vielleicht arbeitest du danach weiterhin mit nur einem Dateifenster. Aber ich habe dich gewarnt: Zwei Panes können ziemlich überzeugend sein.